1 Definition

Die Kinästhetik ist ein Handlungskonzept, mit der die Bewegung von Patienten schonend unterstützt wird (z.B. ohne Heben und Tragen). Mit ihrer Hilfe soll die Motivation des Pflegebedürftigen durch die Kommunikation über Berührung und Bewegung deutlich verbessert werden.

2 Ziel

  • Erleichterung der Mobilisation von Menschen – ohne Heben und Tragen.
  • Bewegungsressourcen von kranken Menschen zu erkennen und zu fördern.
  • die körperliche Gesundheit von Pflegenden zu erhalten.

3 Leitidee

"Kinästhetik ist das Studium der Bewegung und der Wahrnehmung, die wiederum aus der Bewegung entsteht - sie ist die Lehre von der Bewegungsempfindung." (Lenny Maietta, Frank Hatch, 2003)

Jede Bewegung und jeder Transfer wird so gestaltet, dass der Patient dabei die Selbstkontrolle über das Geschehen hat. Das bedeutet, dass die gemachte Bewegungserfahrung nachvollzogen und der eigene Körper dabei als "wirksam" erfahren werden kann.

4 Konzepte der Kinästhetik in der Pflege

  • Kommunikation und Interaktion durch Berührung und Bewegung: Hat der Pflegebedürftige die Möglichkeit, die Bewegung in seinem eigenen Körper nachzuvollziehen?
  • Funktionale Anatomie: Kann der Pflegebedürftige durch die Anleitung seinen Körper erfahren, und gelingt es ihm, die eigenen Ressourcen einzusetzen?
  • Menschliche Bewegung: Hilft die Anleitung dem Pflegebedürftigen, seine eigenen Bewegungsressourcen so zu nutzen, dass die Anstrengung gering ist?
  • Anstrengung: Hilft die Unterstützung den Pflegebedürftigen, die Anstrengung (Zug und Druck) in seinem eigenen Körper zu koordinieren?
  • Menschliche Funktion: Stellt ein Ordnungssystem dar, um menschliche Aktivitäten zu verstehen und zu klassifizieren. Die Grundmuster der einzelnen Aktivitäten werden anhand der anderen Konzepte beschrieben.
  • Angepasste Umgebung: Ist die Umgebung für die Durchführung der entsprechenden Funktion geeignet?


5 Prinzipien der Kinästhetik

  • Massen fassen – Zwischenräume spielen lassen (Massen: z.B. Thorax, Becken, Ober- und Unterarme, Ober- und Unterschenkel).
  • Zwischenräume: Nicht dort anfassen (z.B. Achselhöhle - sonst werden die Bewegungsmöglichkeiten blockiert, der Patient verkrampft sich und kann seine eigenen Bewegungsmöglichkeiten nicht aktivieren!).


6 Umsetzung

Der kinästhetisch Pflegebedürftige
Vertrauen zwischen Pflegebedürftigen und Pflegekraft statt Hebel und Trage.
Muskulatur muss sich entspannen, erst dann kann der Pflegebedürftige seine eigenen Ressorcen einsetzen.
Zug- und Druckkräfte statt Hebel- und Tragekräfte einsetzen.

7 Auswirkungen für die Betroffenen

Das Anerkennen vorhandener Widerstände (z.B. Überforderung, Angst vor Schmerz, funktionale Einschränkung) und die fortgesetzte Anpassung des Bewegungsangebots mit dem Ziel der Spannungsregulation helfen, im Zuge von Mobilisationsmaßnahmen folgende Effekte zu erzielen:

  • Reduzierung von Angst
  • Schmerzreduktion
  • Reduktion des Schmerzmittelbedarfs
  • geringerer Unterstützungsbedarf
  • Reduzierung der Anstrengung -> Sensibilität für taktil-kinästhetische Informationen steigt
  • kontinuierlicher und effektiver Austausch von Bewegungsinformation zwischen den Beteiligten wird als wesentliche Quelle für Bewegungslernen genutzt
  • Wiedererlangung der Selbstständigkeit bzw. die Erhaltung der Teilselbständigkeit

8 Auswirkungen für den Pflegenden

  • geringere physische Belastung
  • höhere Anerkennung von Pflegebedürftigen
  • Steigerung der psychischen Belastbarkeit und beruflichen Zufriedenheit

Probleme können sein, dass keine Verbesserung des physiologischen Zustandes des betreuten Menschen auftritt oder die körperliche Nähe nicht akzeptiert werden kann.